by Renate Möhrmann in zfm – Zeitschrift für Medienwissenschaften
Silke Roesler, Doing City. New York im Spannungsfeld medialer Praktiken, Marburg (Schüren) 2010.
“Tagungen mit den Titeln „Urban Mediations“ (Istanbul 2010), „MediaCity“ (Weimar 2008) oder „Locative Media“ (Siegen 2007) bezeugen, wie aktuell das Verhältnis von Stadt und Medien auch in den europäischen, im Speziellen deutschen, Medienwissenschaften diskutiert wird. Vor einem solchen Hintergrund, bei dem die Kategorien Raum und Medien beziehungsweise die Disziplinen Geographie und Medienwissenschaft produktive Austauschverhältnisse eingehen, ist die Arbeit der promovierten Medienwissenschaftlerin und Kulturgeographin Silke Roesler zu lesen. Die methodische Leitlinie orientiert sich an dem die Cultural Studies derzeit prägenden ‚topographical turn’. Mit dem programmatischen Titel Doing City begreift die Autorin Stadtentstehung als eine Operation, als einen Prozess, also als etwas höchst Dynamisches. Sie überprüft, ob und inwiefern mediale Praktiken das Phänomen Stadt nicht nur sichtbar und lesbar machen, sondern die Stadt geradezu entstehen lassen.
Die verschiedenen und im Folgenden skizzierten Aktionsfelder medialer Praktiken (Kap. 3-5), die allesamt am Stadttext mitschreiben, bilden das Zentrum der Arbeit. Sie werden eingeleitet durch „terminologische Annäherungen“ (Kap. 2) an die beiden Begriffe Stadt und Medien, die für das Vokabular leitend sind. In einem konzentrierten Duktus skizziert die Autorin die Konzeption von „Stadt und Text“ und fragt im Hinblick auf den Medienbegriff nach deren „operativer Logik“. Sie folgt damit einer Maxime von Nelson Goodman, wonach die Frage, was Kunst ist, umgeschrieben werden sollte zur Frage „wann ist Kunst?“ Für den Medienbegriff hat Ludwig Jäger diese Umschrift diskutiert und eine Medientheorie der Transkription entworfen. Die Lesbarmachung von Welt, und somit auch die von Stadt, ist dabei grundlegend an Medien gebunden.Kapitel 3 beinhaltet einen doppelten Stellenwert: Es geht um mediale Praktiken im Sinne von Prozeduren, die nicht nur Konzepte von Stadt, sondern auch die Stadt selbst in ihrer Materialität produzieren. Zugleich bildet das Kapitel eine Basis für die folgenden analytisch ausgerichteten Kapitel, da hier Aspekte und Leitfragen formuliert werden. Als besonders anregend erweist sich das Unterkapitel zur Stadtplanung (Kap. 3.1), welches sich mit der Kartographie als Aktionsfeld einer medialen Praktik beschäftigt. Zunächst erläutert Roesler, wie sich die Besiedlung des US-amerikanischen Kontinents in weitgehend kaum bevölkerten, meist durch Kauf der Zentralregierung erworbenen Räumen vollzog. Dabei wählt sie in ihrer Analyse des Besiedlungsverfahrens nicht ausschließlich einen geographischen Blickwinkel, sondern beschreibt und diskutiert den Mechanismus der Besiedlung als vollkommen medial geprägten Prozess. Der Gitternetzplan der Stadtplaner im 18. Jahrhundert – das sog. „Township and Range System“ (S. 32) ist demnach als mediale Folie zu begreifen, die der Landschaft übergestülpt wurde. Roesler stellt anschaulich dar, dass der für jedermann erschwingliche Landkauf im Grunde als Eckpfeiler amerikanischer Demokratie zu verstehen ist.”
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This entry was posted on February 29, 2012 at 17:30 and is filed under Cities, Literature. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed.
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